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Streetfood aus aller Welt


Farben, Chaos, Gerüche

August 20th, 2012 § 0 comments

von Leonore Heldman

Was ist Indien für mich? Wenn ich an Indien, dieses am zweitmeisten bevölkerte Land der Welt denke, denke ich als Erstes an Farben, dann an Chaos und interessante Gerüche.

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Die Gerüche sind wie ein Gemisch aus Gewürzen und Kanalisation. Das Chaos bedeutet Menschenmassen, ungeregelter Straßenverkehr, wildes ohrenbetäubendes Gehupe, Schmutz, Kühe mitten auf der Straße, die den Verkehr aufhalten und Unfälle verursachen (Kühe sind heilig), massenhaft Motorräder und umweltverpestende „Rickschaws“ (vom Japanischen „Menschenkraftwagen“), grölende Straßenverkäufer, bunte Werbeplakate überall, verwahrloste Straßenköter, Matsch vom Monsunregen, drückende feuchte Hitze. Das sind die ersten Eindrücke, die mir bei Indien in den Sinn kommen.

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„Incredible India“– ein Spruch, der hundertprozentig passt. „Incredible“ weil es einerseits so anstrengend und chaotisch ist, andererseits weil es so beeindruckend und daher einfach so „unglaublich“ ist.„Eine Indische Kultur“? Die gibt es nicht. Indien steht für Vielfalt. Dieser riesige Subkontinent sieht im Norden ganz anders aus als ihm Süden, und im Westen ganz anders als im Osten.

Dasselbe gilt für die Menschen. Nicht nur haben sie andere Teints und andere Gesichter, sondern sie verstehen sich auch nicht unbedingt. In Indien gibt es mehr als 100 Sprachen, etwa 22 davon sind in der Verfassung verankert.

Wer „Hinduismus“ definieren möchte, wird versagen. Es gibt keine einheitliche Definition. Zu groß sind die regionalen Unterschiede. Jede Kaste, jede Familie, jede Region, jede ethnische Gruppe sucht sich einen Gott aus dem bunten Repertoire aus, die sie dann verehrt. Eins kann man sagen: Die Religion ist genau so bunt und facettenreich wie die Menschen. Vom Affenkönig, über die schwarze kinderfressende Kali bis hin zum lieben Schweinehirten Krishna, dem Gott der Liebe, der bei den Menschen sehr beliebt ist. Für jeden gibt es etwas Nettes im Angebot. Indische Festivals sind bunt und einmalig. Nicht zu verpassen, wenn man dort ist!

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Neben dem Hinduismus gibt es natürlich noch zahlreiche andere Religionen wie den Islam, den Buddhismus, das Christentum, den Sikhismus, den Zoroasthrismus, den Jainismus etc. Zu den Menschen. Einem fällt sofort auf, dass Inder sich nicht als „Individuen“ sehen. Es geht ums „Kollektivdenken“. Die Familie steht im Mittelpunkt.  Jeder Inder, den du fragst, was für ihn am Wichtigsten ist, wird dir die Familie (vor allem Eltern) nennen. Großeltern und deren Kinder sowie deren Kinder leben auf engstem Raum täglich zusammen. Betten werden geteilt. Privatsphäre gibt es nicht.Auch für junge, gebildete Menschen ist das erste Ziel, ihre Eltern glücklich zu machen. Viele junge Menschen können das Land nicht verlassen, weil die Familienverbundenheit zu stark ist. Auch für Studenten ist es üblich, dass sie noch bei ihren Eltern wohnen.

Heiraten kann ein indisches Mädchen nicht jeden. Männer haben meist mehr Freiheiten. Arrangierte Ehen sind sogar in höheren gebildeteren Kreisen noch Gang und Gebe, während jedoch in Städten immer mehr junge Menschen ihren eigenen Weg einschlagen und ihre Liebe gegen den Willen der Eltern heiraten. Arrangierte Ehen sind bedingt durch das Kastensystem, welches Mischehen verbietet um die „Reinheit“ der eigenen Kaste und des eigenen Familienkreises nicht zu beschmutzen. Übrigens wurzelt das Wort Kaste im lateinischen „chastus“ und bedeutet „rein“.

Was genau das Kastensystem ist, welche Bedeutung es in Indien hat, und warum man Essen, das jemand einer anderen Kaste berührt hat, sofort wegschmeißen muss – dazu wird es im zweiten Teil dieses Artikels gehen.

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

 

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