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Streetfood aus aller Welt


Fish & Chips jenseits des Äquators

April 23rd, 2012 § 0 comments

Von Simone Deitmer

Neuseeland kommt einem ziemlich britisch vor. Allerdings mit einer kräftigen Brise Maori sowie einem Schuss Polynesien und asiatischem Einschlag. Als Gericht wäre diese Mischung definitiv gewagt. Wenn man sich die kulinarischen Vorlieben der Kiwis anschaut, dominiert ganz klar der britische Einschlag: Fish & Chips, mit Fleisch gefüllte Pies, Bohnen auf Toast, Spaghetti auf Toast, der Brotaufstrich Vegimite sowie der „Breakfast Tea“ zeugen davon, dass knapp 70 Prozent der Neuseeländer von Einwanderern aus England, Schottland, Wales oder Irland abstammen.

Sie halten ihre Tradition hoch: sie gehen in Pubs, viele Neuseeländer gehören der anglikanischen Kirche an, sie begeistern sich für Rugby und für die britische Königsfamilie. Kein Wunder wenn man bedenkt, dass der Seefahrer James Cook die beiden Inseln ab 1769 im Auftrag von Großbritannien erforscht hat. Die britische Kolonie in „down under“ erklärte sich erst 1947 vollständig unabhängig. Zwischen den beiden Daten besiedelten vor allem Briten das Land und hatten natürlich noch viel mehr im Gepäck als Fish & Chips.

Das Spannende an der Geschichte ist, dass Neuseeland selbstverständlich nicht unbewohnt war. Die Maori sind die Ureinwohner von Aotearoa, wie Neuseeland auf Maori heißt: das Land der langen weißen Wolke. Und wie man sich auch denken kann, waren die Maori bei der Besiedlung nicht unbedingt auf der Gewinnerseite. Offiziell sind sie seit 1840 gleichberechtigte Bürger, außerdem ist Maori die zweite Verkehrssprache im Kiwi-Land und wird heute durch Radio, Fernsehen und Zeitungen gefördert. Als Besucher Neuseelands fällt sofort auf, dass die Maori-Kultur im Tourismus eine große Rolle spielt. Kunstgalerien, kulturgeschichtliche Ausstellungen oder Maori-Tanzaufführungen gehören zum Pflichtprogramm einer Reise. Die Kultur der Ureinwohner rückt aktuell wieder mehr in den Vordergrund.

Also ist Neuseeland mehr als importierte Fisch & Chips, mehr als die „Farm Großbritanniens“? Definitiv. Es ist vielschichtiger als man auf den ersten Blick vermutet. Neben dem britischen Erbe besteht die Kultur der Ureinwohner. Hinzukommen die Einflüsse der Einwanderer aus dem Pazifik und Asien – sei es von den Fijis, von Samoa, den Cook Inseln, aus Indonesien oder Indien.

Und der aus Europa stammende Neuseeländer ist zwar britisch geprägt, aber hat dennoch eine starke eigene Identität, Nationalstolz und viele Eigenheiten, die ihn von den Vorfahren jenseits des Äquators unterscheiden. Selbst die Touristen aus Großbritannien, wie neulich im Hostel ein Engländer zugegeben hat, verstehen den Slang der Kiwis manchmal nicht.

Fotos: Christoph Lempertz

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

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