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Streetfood aus aller Welt


Kulturschock die Zweite

März 10th, 2012 § 0 comments

Von Simone Deitmer

Nach vier Monaten in Asien ist man einigermaßen abgehärtet, was das Thema Kulturschock angeht. Als Reisender hat man neue Kulturen kennengelernt, sich anfangs als Sonderling gefühlt und dann mehr oder weniger schnell an das neue Umfeld gewöhnt. Selbstverständlich ist man nach ein paar Wochen noch nicht heimisch aber man lernt Land und Leute kennen. Was anfangs befremdlich war, wird mit der Zeit vertraut: Man kann sich ein wenig verständigen, weiß wie man sich den Einheimischen gegenüber verhalten sollte, hat herausgefunden, welches Essen am besten schmeckt und wie man Suppe mit Stäbchen isst. Nach einer Weile versteht man, warum die „local people“ bestimmte Dinge anders angehen und fügt sich Schritt für Schritt ein in die fremde Kultur.

So haben wir es in Asien erlebt und bei der Weiterreise in Richtung Neuseeland und Australien eigentlich nicht mit weiteren „Schocks“ gerechnet. Umso schlimmer hat es uns erwischt. Der sogenannte Eigenkultur-Schock fühlt sich noch viel seltsamer an, als der „gewöhnliche“ Kulturschock. Denn er wird von vertrauten Dingen ausgelöst: Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit… von Menschen, die ähnlich aussehen wie man selbst und sich so verhalten, wie man es von zu Hause kennt. Nach monatelangen Bemühungen, möglichst gut in Indien, Thailand, Vietnam und Indonesien zurecht zu kommen, „fremdelten“ wir plötzlich in Neuseeland!

In den ersten Stunden in Indien dachten wir, wir werden gleicht ermordet. In Neuseeland, hatten wir Angst, verhaftet zu werden. Die weiten Hosen aus Asien und die vielen Stempel im Reisepass wurden von den neuseeländischen Beamten am Flughafen kritisch beäugt. Nach der umfangreichen Durchsuchung des Gepäcks auf bösartige Keime wappneten wir uns wie immer für das Hinauslaufen aus dem Terminal. Nichts passierte. Keine Taxifahrer nahmen uns in Schlepptau, niemand wollte uns ein Hotel-Zimmer andrehen. Auf dem Weg durch Christchurch wirkten Menschen und Vorgärten seltsam aufgeräumt. Familien spazierten durch Parks mit anschließendem Sonntags-Kaffee und Kuchen, Hunde wurden Gassi geführt, Jogger drehten ihre Runden. Alles war eigentlich sehr vertraut und dennoch fühlten wir uns sonderbar. Wie in einer Welt, in die wir nicht hineinpassen.

Dieser kleine Eigenkultur-Schock hielt glücklicherweise nicht lange an. Schon nach ein paar Tagen bedankten wir uns nicht mehr ausdrücklich für saubere Hostels. Und wunderten uns auch nicht mehr, über die vielen Verbots- und Hinweisschilder wie zum Beispiel „Noch 300 Meter bis zur nächsten Toilette“. Das Gefühl sich womöglich nicht richtig zu verhalten, verschwand ebenfalls. Nun gilt: Gore Tex anstatt Leinen; Vans anstatt TukTuks; Pubs anstatt Suppenküchen; Helmpflicht anstatt Familienausflug auf dem Roller. Goodbye Asia, welcome to New Zealand!

Fotos: Christoph Lempertz

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

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