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Land der Sonne

Dezember 4th, 2012 § 0 comments

Von Ria Rehberg

Spanien- das Land der Sonne, Feste und guten Laune. Ich glaube, niemand hat mich je danach gefragt, warum ich mich nach dem Abitur im kalten, grauen Deutschland dazu entschieden habe, nach Spanien auszuwandern. Es ist einfach zu offensichtlich. Doch auch im Land der ewigen Sonne lebt es sich nicht immer leicht und unbeschwert, wie ich bald feststellen sollte.

Nach der anfänglichen Euphorie und vielen tollen Bekanntschaften bildeten sich langsam engere Freundschaften und man unternahm viel zusammen. Nun möchte ich euch von einer ganz speziellen Situation erzählen, die sich so oder so ähnlich immer wieder abgespielt hat. Ich hatte mich mit meiner spanischen Mitbewohnerin verabredet, abends zusammen etwas essen zu gehen. Als Zeit hatten wir 8 Uhr abends angepeilt, doch da ich bereits Erfahrungen mit der spanischen Pünktlichkeit gemacht hatte, lies ich mir Zeit und war gegen 20:30 ausgehfertig.

Nur meine liebe Mitbewohnerin war nirgendwo aufzufinden. Sie kam dann tatsächlich erst eine Viertelstunde später verschlafen aus ihrem Zimmer, bedachte mich eines wütenden Blickes und verschwand etwas von „total stressig und immer musst du mich unter Druck setzen“ grummelnd im Badezimmer. Und ich verstand die Welt nicht mehr! Ich hatte mich extra auf meine Mitbewohnerin eingestellt, mir Zeit gelassen beim Fertigmachen, meinen deutschen Pünktlichkeitsdrang versucht so gut wie möglich in Schach zu halten, und trotzdem war ICH Schuld daran, dass meine liebe Mitbewohnerin verschlafen hatte?

Nun ja, viele Monate und endlose Diskussionen und Gespräche später, kann ich sie besser verstehen. Denn sie hat die Situation sicher ganz anders wahrgenommen als ich. Im Gegensatz zur deutschen Kultur nehmen Spanier Uhrzeiten für private Termine und Verabredungen nicht immer wörtlich, sondern sehen sie vielmehr als eine Orientierungsstütze an, die je nach Situation modifiziert werden kann. Nicht Unpünktlichkeit wird als respektlos betrachtet, sondern vielmehr das Einhalten dieser Verabredungen, da man somit den anderen auf seine Unpünktlichkeit hinweist und ihm oder ihr ein schlechtes Gewissen machen könnte. Alles was die lockere, freundliche Umgangsweise stört, ist in Spanien nicht gerne gesehen.

Für meine spanische Mitbewohnerin war also ich die ungeduldige, perfektionistische Deutsche, die sich anmaßte, ihre übertriebene Regelstrenge in das Land der Freude und Gemütlichkeit zu tragen. Und ehrlich gesagt, bereue ich es auch, mich nicht mehr von der spanischen Mentalität hinreißen lassen zu haben. Denn jetzt, zurück in der kalten Heimat, vermisse ich so manches Mal die spanische Flexibilität, die Freundlichkeit und die Stressfreiheit, die das Leben in Spanien so genießbar machen. Und manchmal, in sehr nostalgischen Momenten, ja manchmal vermisse ich sogar die ausgiebigen Gespräche der Kassiererin im Supermarkt mit ihren Mitarbeiterinnen, während sich die Schlange von Wartenden schon bis weit in die hintersten Regale gereiht hat.

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

 

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