Unser Reisetipp


"Pho Suppe in Vietnam" im Reiseblog von HostelBookers.de


Streetfood aus aller Welt


Rockets, Ceasefire and the Daily Life in Between – Greetings from Ramallah!

November 22nd, 2012 § 0 comments

von Eva Hösch

Sitze in einem Café in Ramallah. Jemand berichtet mir: „Selbstmordattentat  in Tel Aviv“!

Schreibe sofort Israelischem Freund in Tel Aviv eine Facebook Nachricht. Ein Palästinensischer Freund sitzt neben mir. Empört. „What the f*ck do you care about Israel – there are hundreds dying in Gaza“. Schnell bin ich in ein Streitgespräch verwickelt. Nach einer Stunde Diskussion mit wild gestikulierenden,  verärgerten, auf mich einredenden Palästinensern gebe ich auf. Mein israelischer Freund antwortet mir: „24 hours rockets in the south of Israel“. Ich antworte: „24 hours bombing in Gaza – and no way to escape!”

Zwei Monate in Ramallah. Fühl mich wie zu Hause. Ihr denkt: Wie, zu Hause? Bei all dem Krach und Krawall? Seit einer Woche wieder Krieg. Oder nur Unruhen? Gefecht? Bewaffnete Auseinandersetzung aus Distanz? Liebe PolitikwissenschaftlerInnen, ab wie vielen Toten sagt man denn Krieg? Wie auch immer, hier jedenfalls nur für mich ist es das – das erste Mal.

Seit einer Woche mulmiges Gefühl im Bauch. Die Entfernung zwischen Ramallah und Gaza: ca. 150 Kilometer.  Aber Distanz ist hier relativ.  Von manchen Hügeln in Ramallah aus kann man hinunter blicken auf Tel Aviv. Am Tag sieht man das Meer, in der Nacht ein Lichtermeer. So als wenn man nachts, von draußen, hineinblickt in ein warmes, hell erleuchtetes Haus, in dem es lärmt, tobt und lacht. Google Maps sieht das übrigens auch so – dort ist Palästina nur ein dunkler Fleck, fast wie im Lonely Planet! Auf jeden Fall packt man – theoretisch – seine Badehose ein und 20 Minuten später planscht man im brühwarmen Mittelmeer. Theoretisch. Letzte Woche war ich vier Stunden unterwegs, Ramallah – Tel Aviv. Eine Stunde davon zwischen Gitterstäben am Checkpoint. Das war vor dem „Krieg“. Jetzt, nach verstärkten Sicherheitskontrollen, sicher zwei Stunden Checkpoint Warterei. Aber was sind schon zwei Stunden. Für die meisten PalästinenserInnen ist ja die Tür zu dem Haus in der Nacht immer zu. Die klopfen und klopfen, aber keiner macht auf. Den meisten PalästinenserInnen muss der Seeblick genügen. Die Mauer zwischen dem Meer und dem Hier versperrt nicht den Blick. Aber sie ist doch zu weit, um den Aufprall der Raketen zu hören, die letzte Woche Tel Aviv erreichten. Zu weit um den Einschlag zu hören, die Detonation zu spüren – oder wie nennt man das? Jerusalem ist noch näher, liegt genau zwischen Ramallah und Gaza. Die Rakete die dort gelandet ist, konnte man in Ramallah auch nicht hören.
Nur in Qualandia, dem Checkpoint zwischen Jerusalem und der West Bank in den letzten Tagen immer wieder Unruhen. Steine treffen auf Tränengas. In Ramallah fast täglich Demonstrationen – aber alle friedlich. Die zerstrittenen Parteien, Fatah und Hamas, riefen zu Einigkeit auf angesichts der vielen Toten in Gaza. Seit den Wahlen 2006 regiert die säkulare Fatah die West Bank, sperrt Oppositionsleute ein, während die Hamas vom Gazastreifen aus Raketen abfeuert. Die schwierige Lage der Palästinenser, noch schwieriger durch die Teilung. Alles ist so schrecklich kompliziert.
In den letzten Tagen viele Telefongespräche mitgehört. Die Böll-Stiftung hat Projekte in Gaza. Die Projektleiter sitzen mit ihren Kindern in den Wohnungen verbunkert und trauen sich nicht auf die Straße. Einer erzählt, das Haus nebenan stehe nicht mehr. 150 Kilometer!

Ich, diesseits der Mauer, Tour mit Breaking the Silence nach Hebron (israelische Ex- Soldaten erzählen, für Ende der Besatzung). Israelische Siedler dort mitten in der Stadt, täglich bewacht, von viermal so vielen Israelischen Soldaten mit Händen an Gewehren. Komisches Gefühl, immer noch! Kann mir manchmal nicht verkneifen sie anzustarren. Mit einem Blick um eine Antwort bettelnd.
Versuche weiter zu verstehen, was hier vor sich geht. Aber der Boden der Tatsachen kommt immer näher. Nach langem Gespräch über Krieg und Frieden werde ich von meinem palästinensischen Mitbewohner als Pazifistin bezeichnet, aber auch als naiv.  Gebe langsam den Wunsch auf, Freunde und Freunde zu Freunden zu machen.
Checkpoints, Gewehre, Raketen. Ich weiß. Meine Schilderungen sind nicht gerade beruhigend!
Aber ich tippe Euren Brief, sitze gemütlich zu Hause vor dem Heizstrahler und trinke Kamillentee. Wie gesagt, Distanz ist hier relativ! Im Fernsehen berichtet die BBC: Verhandlungen über Waffenstillstand sind im Gange.

(Anmerkung der Autorin, um Fehlinformation zu vermeiden: Es gab kein! Selbstmordattentat in Tel Aviv während der letzten Wochen! Nur jede Menge Gerüchte!! Vor einigen Tagen wurde „lediglich“ eine Anschlag (kein Selbstmordattetat) auf einen Bus verübt, bei dem mehrere Menschen verletzt wurden!)

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

What's this?

You are currently reading Rockets, Ceasefire and the Daily Life in Between – Greetings from Ramallah! at Interkulturelles Reisetagebuch.

meta