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Tattoos tabu? Die Zeiten sind hier vorbei!

Mai 22nd, 2012 § 0 comments

Von Johanna Müller

Ich konnte meinen Augen nicht trauen. Tattoos, die anstatt von seinem Besitzer versteckt sogar modisch in Szene gesetzt werden.

Ob das in Deutschland wohl auch möglich wäre in der unsrigen Businesswelt? Diese Frage habe ich mir in diesem Moment gestellt. Doch was mich umso mehr überrascht hat, war der Entstehungsort dieses Fotos. Tätowierte Unterschenkel einer Texanerin
Man könnte meinen, es sei im liberalen New York oder San Francisco entstanden – aber nein! Tief im Inneren von „Tejas“, wie es der erstaunlich hohe Anteil von 63,2 % Latinos in San Antonio zu nennen pflegt. Texas, ein Staat, der in der Welt als der Inbegriff des Konservativen bekannt ist. So manch schräges Gesetz, wie beispielsweise das Recht, „to shoot anyone that trespasses onto your property“ – jeden zu erschießen, der auf eines Besitzers Grundstück tritt.

Diese Art Gesetze klingen in deutschen Ohren mehr als erschreckend und rechtfertigen durchaus ein gewisses Maß an Skepsis dem Staate Texas gegenüber. Es gibt definitiv Dinge, die der Staat gründlich überdenken sollte. Helmpflicht für Motorradfahrer wäre da so ein anderes Thema. Oder an oberster Stelle: die Abschaffung der Todesstrafe. Ein hoher Anteil der Bevölkerung von Tejas - Texas - sind Latinos
All das sind erschreckende Beispiele, die, wie man in der psychologischen Forschung so schön sagen würde, einen „Anchor Bias“ (Ankereffekt) bewirken: nämlich die Tatsache, auf Grund einiger weniger Fakten ein großes Pauschalurteil zu fällen. Doch ein Staat, der doppelt so groß ist wie Deutschland, hat – wie man sich vorstellen kann –, auch ein paar andere Gesichter…

Die Business Welt ist eines davon. Für mich faszinierend ist hierbei die extreme Toleranz, die viele Firmen als einer ihrer Grundwerte in ihrer Organisationskultur verankern. Von amerikanischen Wirtschaftsmagazinen als „No. 2 Hotspot for most innovative cities in the U.S.“ bezeichnet gilt Austin, Texas als neuer Vorreiter für erfolgreiche Firmenkonzepte.

Doch was genau ist ihr Rezept? Es scheint, als haben es sich viele Firmen zum Ziel gemacht, den Hauptfokus auf ihre Mitarbeiter zu legen. Je freier und entscheidungsmächtiger sich ein Mitarbeiter fühlt, desto eher scheint er sich bei dem Unternehmen wohl zu fühlen und dies auch hinaus in die Welt der Verbraucher zu tragen. Als ich kürzlich bei einem lokalen Supermarkt eingekauft habe und das Preisschild nicht auf dem Artikel war, sagte die Verkäuferin doch glatt zu mir, ich solle einfach schätzen, was es gekostet hat. Ganz erstaunt stammelte ich einen Preis vor mich hin, den ich noch ganz wage zu erinnern geglaubt habe. Ohne mit der Wimper zu zucken tippte die Verkäuferin diesen Preis in die Kasse ein und fragte mich noch kurz, ob das für mich in Ordnung wäre – und schon war die Sache erledigt.
Wie oft hätte ich mir so etwas damals gewünscht, als die Schlange länger und länger wurde, nur weil vor mir an der Kasse jemand kein Preisschild auf dem Artikel hatte und im ganzen Supermarkt eine Suchaktion gestartet wurde. Weder für die Verkäuferin noch für den Käufer eine schöne Angelegenheit. Und mal ehrlich: Ob die ganze Aktion wirklich so viel einspart? Wie man merkt, hat mich die ganze – zwar eigentlich kleine und unwichtige Aktion – ganz schön beeindruckt. Firmentaktik hat also gewirkt, zumindest bei mir.
Aber die Hauptsache bei der Aktion ist es ja quasi hauptsächlich, dass es ein wenig freigeistiger zugeht und nicht mit pingeligen Details die Laune aufs Spiel gesetzt wird.

Eine andere Entwicklung passend zum Thema Freigeist, die man vor allem in Austin sehr schön beobachten kann, ist der Fokus auf „Socially Responsible Business“. Firmen wie „Whole Foods Market“, eine organische und Fair-Trade Supermarktkette, gegründet 1980 mit einem kleinen Laden in Austin, haben vor vielen Jahren den Anfang gemacht und inspirieren andere Innovatoren dazu, ihr Business ebenfalls auf „Sustainability“, „Fair-Trade“ und „Social Responsibility“ zu basieren. Nicht umsonst gewinnt „Whole Foods Market“ einen Innovatorenpreis nach dem anderen wie beispielsweise den „Environmental Protection Agency’s GreenChill Most Improved Emissions Rate 2010 award“ oder der„International TOBY Award 2009“. Fahrräder in Austin, Texas
Doch die Hauptsache hierbei ist es meiner Meinung nach, einen Anreiz für andere Firmen zu geben und zu zeigen, dass soziale Firmenstrategien sogar zum Erfolg führen können und nicht nur altruistische oder verlustbringende Ansätze sind. Kein Unternehmen, keine Organisation, keine Firma wird jemals perfekt sein. Aber sie können das Leben für die einzelnen Mitarbeiter, für ihre Partnerorganisationen und letztendlich für so manchen Austauschstudenten ein klein wenig angenehmer und freier gestalten. Manchmal ist es das kleine Detail, das verzaubert. In meinem Falle war es die riesige Fahrradreparatur Station, die direkt vor dem Supermarkteingang befestigt ist mit allem, was das Herz begehrt: Luftpumpe, Reifenheber, Pedalschlüssel, Flickzeug, Pannenspray, Kreuzschlitz Schraubendreher, Konusschlüssel, …
Wenn das kein Biker-Paradies ist und zum Radfahren animiert!

Ob die Frau mit dem Tattoo auf dem oberen Bild wohl auch mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren ist, bleibt dahingestellt. Aber glücklich scheint sie auch zu sein – auf eine andere „Freiheits–Weise“.

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

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