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„Wenn ich schon mal in Europa bin…“

August 27th, 2012 § 0 comments

von George Self

110 ° Fahrenheit im Schatten…(43 °  Celsius): So heiß war es im texanischen Dallas Fort-Worth, als ich 2010 am International Airport darauf gewartet habe, nach Frankfurt zu fliegen. Während ich so da saß, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich eigentlich während meines einjährigen Studienaufenthaltes in Deutschland alles erleben wollte.

Doch wenn ich ehrlich bin, war klar, was ich wollte:
Ich wollte so viel reisen und so viele fremde Länder sehen wie nur möglich….Wenn ich schon mal in Europa bin, muss es sich ja auch lohnen.
Bevor ich aber in späteren Beiträgen auf konkrete kulturelle Unterschiede eingehen werde, möchte ich dieses Mal den Fokus darauf legen, wie unterschiedlich es ist, ob man durch die USA oder durch Deutschland bzw. Europa reist.

Wenn ich nicht selbst durch Europa gereist wäre, würde ich heute noch glauben, dass alle so reisen wie wir in den USA, denn die eigentlichen Erfahrungen hätte ich gar nicht voraussehen können.
Ein wesentlicher Unterschied, der das Reiseverhalten einer Kultur prägt ist die Größe des Landes. Einige Wochen bevor ich nach Deutschland reiste, hatte ich für einen kleinen Wochenendausflug vier Stunden gebraucht, um von Austin (Zentraltexas) zum Big Bend National Park (West Texas) zu fahren. Dies war ein total anderes Erlebnis zu all denen in den kommenden Monaten in Europa.

In den USA sind acht Stunden Fahrt absolut normal und werden selten als lange Fahrt wahrgenommen.  So lange würde es auch dauern, um von Frankfurt nach Bratislava zu fahren. Interessanterweise kommt dies einem Europäer aber oft als unglaublich lange Strecke vor. Ich habe mich oft gefragt, worin der Grund in solch unterschiedlichen Zeit – und Distanzwahrnehmungen innerhalb einer Kultur liegt. Vielleicht liegt es daran, dass die Strecken ganz anders sind. Wenn man durch Texas fährt, sieht man fast nichts außer Kühe, Felder und Wüste. Das Land sieht aus, als lebten die Komantschen und Tonkawas – zwei Indianerstämme aus dem zentral-östlichen Texas – noch frei darauf.

Wenn man quer durch mehrere europäische Länder fährt, trifft man auf viel mehr. Als meine Freunde und ich solche Reisen gemacht haben, sind wir so oft wie möglich aus dem Zug ausgestiegen, egal wo wir gerade waren, nur um zu sehen, was es dort Interessantes zu sehen gab. In Texas, insbesondere West Texas, würde sich so etwas gar nicht lohnen.

Ein weiterer Unterschied ist die Vielfalt der Verkehrsmittel in Europa. Um unseren Zeltplatz im Big Bend National Park zu erreichen, mussten wir mit dem Pick-up-Truck meines Kumpels fahren. Wären wir mit meinem kleinen, japanischen Auto gefahren, hätten wir viele Probleme mit der westtexanischen Landschaft im National Park gehabt. In Europa hingegen bin ich immer mit dem Zug oder einer Mitfahrgelegenheit gefahren. Dies war abgesehen davon, dass es viel umweltfreundlicher ist, auch noch viel günstiger, als mit einem Truck zu fahren, doch manchmal sind es geographische Gegebenheiten, die eine Reisekultur prägen, sodass man nicht pauschal das eine oder andere abwerten sollte.

Es gibt sowohl Vor- als auch Nachteile beider Reisekulturen, und mir ist bewusst geworden, wie unterschiedlich die Wahrnehmung zum Reisen bei Amerikanern und Europäern ist. Ob ich lieber in den USA oder Europa reise, kann ich nicht sagen. Aber ich bin sehr froh, diese doch total unterschiedlichen Erfahrungen gemacht zu haben.

Und wer weiß, wie die Reisekulturen sich in der Zukunft entwickeln. Zumindest in Austin wird das Konzept der Mitfahrgelegenheit (Car Sharing) schon immer beliebter, und auch ein eigenes Auto ist dank der in Deutschland gegründeten und inzwischen weltweit verbreiteten Firma „Car2Go“ nicht mehr zwingend nötig.

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

 

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