Von Simone Deitmer
In vier Monaten haben wir in Asien Tausende Kilometer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Mal ganz entspannt, mal mit Angstschweiß auf der Stirn, mal zu dritt auf dem Motorradtaxi. Wir haben geschlafen, waren genervt, hatten Rückenschäden, eingeschlafene Füße, Genickstarre, hatten nette Begegnungen und nervige Sitznachbarn. Der Straßenverkehr und die Fahrstile, die wir beobachtet haben, waren in jedem Land anders. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Die deutschen Straßen wirken im Vergleich so geordnet, wie von einem anderen Planeten… Hier kommt unsere ganz persönliche, subjektive Zusammenfassung aus vier Ländern – sozusagen die Kultur der Straße.
Indien
Die Fahrweise: aggressiv
Der Straßenverkehr: Anarchie
Die Risikobereitschaft: extrem hoch
Der typische Fahrer: wortkarg, wirkt leicht wahnsinnig, bremst nur für Kühe
Auf der Straße: motorisierte Rikschas, Fahrradrikschas, Lastenträger, Busse, Lastwagen, wenig private Autos, Fußgänger, Kühe, Hunde
Typisch Indien: die Hupe ist mindestens so wichtig wie das Lenkrad! Sie wird permanent eingesetzt: als Warnsignal, zum Drängeln und um Touristen zu erschrecken; außerdem typisch sind Blumenschmuck und Ganesha-Bilder im und am Fahrzeug – der Hindu-Gott Ganesha steht für Glück
Fazit: Der Stärkere gewinnt.
Thailand
Die Fahrweise: jeder ist ein Rennfahrer
Der Straßenverkehr: geordnetes Chaos
Die Risikobereitschaft: hoch
Der typische Fahrer: cool, schnell, souverän
Auf der Straße: Tuk Tuks, fahrende Essenstände, Autos, Busse, Lastwagen
Typisch Thailand: Bilder des Königs, Buddha-Abbildungen und Blumenschmuck im Fahrzeug
Fazit: Ich geb Gas, ich hab Spaß!
Indonesien
Die Fahrweise: Wer bremst verliert.
Der Straßenverkehr: on the highway to hell
Die Risikobereitschaft: hoch
Der typische Fahrer: blinkt, hupt und raucht gleichzeitig; bezeichnet sich selbst als crazy; bringt sensible Mitfahrer an den Rande des Nervenzusammenbruchs
Auf der Straße: hauptsächlich Roller, schrottreife Mini-Busse, Reisebusse, Lastwagen und schnelle, moderne Vans mit viel PS
Typisch Indonesien: Rauchen im Fahrzeug ist meistens erlaubt; Musik muss sein; auf dem Dach sitzen mindestens zehn Schulkinder
Fazit: Leben auf der Überholspur
(* vor allem in Sumatra beobachtet)
Vietnam
Die Fahrweise: mit dem Strom schwimmen
Der Straßenverkehr: kollektives Chaos
Die Risikobereitschaft: mittel, nach dem Motto: „Tu mir nichts, dann tu ich dir nichts“
Der typische Fahrer: clever, drängelt, nutzt Lücken gnadenlos aus
Auf der Straße: lebensmüde Touristen, die die Straße überqueren wollen; Roller, die mehr Lasten transportieren als in einen Kleintransporter passen; außerdem: mobile Essen-Stände und alle möglichen Verkäufer, Motorradtaxis, Fahrrad-Rikschas, Lastenträgerinnen mit Spitzhut, Radfahrer, Autos, Busse, Laster – eigentlich alles, was fährt
Typisch Vietnam: Hauptsache der Look stimmt: Motorradhelme „original“ von Louis-Vuitton, niemals ohne meinen Mundschutz, Rollerfahren mit High-Heels kein Problem
Fazit: Der Schwarm – nur gemeinsam kommen wir ans Ziel.
Fotos: Christoph Lempertz
Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project
selamat malam,
gilt gerade fuer indonesien. interessant informationen.
bei der beschreibung euerer einschaetzung zu dem strassenverkehrsverhalten, insbesondere indonesien, fehlt mir das verhalten auf motos: sms-schreiben und telefonieren. hab´s einmal selbst erlebt, dass ein maedel beides waehrend der fahrt realisierte. auch beachtlich die anzahl der personen die auf einem moto platz haben. mein rekord: 5=2 erwachsene+3 kinder.
viel spass noch auf bali+gruesse an herrn lempertz.
ps: komodo ist nicht sehr weit+absolut sehenswert
sampai jumpa lagi
Hallo!
Man sieht die verruecktesten Dinge auf den Motorrollern. Am meisten zu sehen gibt es in Vietnam, wo die Roller als Transportmittel fuer Tiere, Weihnachtsbaeume, Moebel, Baumaterial etc genutzt werden.
Hier in Indonesien haben wir uns selbst auf den Roller gewagt (auf Bali). Nichts fuer schwache Nerven, aber wir haben es ueberlebt.
Vielen Dank fuer die Gruesse und: Komodo steht auf der Liste fuer den naechsten Besuch ganz oben.