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Kriegsschauplatz oder Abenteuerspielplatz?

Januar 2nd, 2012 § 0 comments

Der Lärm von Gewehrschüssen hallt durch den Dschungel. Wie während des Vietnamkrieges wird in Cu Chi geschossen.

Die Stadt ist ein beliebtes Touristen-Ziel, das täglich von Dutzenden Bussen aus dem nahegelegenen Saigon angesteuert wird. In Cu Chi geht es allerdings nicht zu wie im Museum, hier kann der Vietnamkrieg erlebt werden. Touristen verstecken sich wie einst die Vietcong in kleinen Erdlöchern, sie posieren mit Panzern, begegnen Plastikkämpfern und können in das enge Tunnelsystem hinuntersteigen, das im gesamten Bezirk Cu Chi beachtliche 25o Kilometer umfasst. Der Höhepunkt für einige Besucher ist allerdings der Schießstand, der sich samt Kiosk und Souvenir-Laden im Dschungel befindet. Und während die einen voller Euphorie ballern, zucken die anderen Besucher bei den ohrenbetäubend lauten Schüssen zusammen und empfinden den Anblick von Schlüsselanhängern in Gewehr-Form als makaber.

Cu Chi ist ein Symbol des vietnamesischen Kampfgeistes. Mithilfe des Tunnelsystems, welches die Einwohner in nächtlicher Schwerstarbeit geschaffen haben, gelang es ihnen, nahe Saigon eine Bastion des Wiederstandes zu halten. Das ausgeklügelte, unterirdische Netzwerk und raffinierte Fallen mit Bambus-Speeren ließen Bodeneinsätze der Amerikaner scheitern. Auf beiden Seiten verloren viele Menschen in Cu Chi ihr Leben. Die Erfahrung, die man als Besucher dort machen kann, bleibt haften: es ist ein beklemmendes Gefühl in die engen Tunnel zu kriechen und man kann erahnen, mit welcher immensen Energie und Willenskraft die Vietnamesen gegen die Invasoren gekämpft haben.

Letztendlich führten die massiven Angriffe aus der Luft dazu, dass das gesamte Gebiet zerstört und vor allem auch entlaubt wurde. Und dennoch: Der Stolz der Vietnamesen auf die cleveren Bewohner von Cu Chi ist deutlich zu spüren.

Für unseren Geschmack wäre dort im Dschungel etwas mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Kriegsgeschichte angebracht. Nicht nur von den Betreibern dieser Sehenswürdigkeit sondern auch von einigen kriegsbegeisterten Touristen, für die wir uns „fremdgeschämt“ haben.

Wer etwas über die Kriegsgeschichte und vor allem über die Verbrechen des Krieges erfahren möchte, sollte unbedingt das Kriegsrestemuseum in Saigon besuchen. Auch wenn die Ausstellung ebenfalls etwas patriotistisch ist, gehen die Bilder dort sehr nahe – vor allem die der Pressefotografen an der Front.

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project

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