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Die lieben Nachbarn

Mai 14th, 2012 § 2 comments

Von Simone Deitmer

Mit Abneigungen gegen die umliegenden Gebiete ist vermutlich jeder aufgewachsen. Die Kinder aus dem Nachbardorf waren schon immer komisch, später entwickelte sich eine Feindschaft gegenüber den Jugendlichen aus der nächstgelegenen Stadt. Undenkbar einfach mal dorthin zu fahren und sich mit „denen“ anzufreunden. Und es gibt sicherlich kaum jemanden, der alle seine Nachbarn super findet. Auf der übergeordneten Ebene setzen sich diese Resentiments fort: Schwaben gegen Baden, Schalke gegen Dortmund, Ost gegen West, Deutschland gegen Holland.

Es ist schon seltsam, dass wir so viele Feindschaften hegen. Und auch ganz schön engstirnig. Allerdings ist dieses Gartenzaundenken ist kein typisches deutsches Phänomen. Auf Reisen haben wir einige dieser „Nachbarschafts-Fehden“ erlebt.

Zum Beispiel die offene Abneigung vieler Südvietnamesen gegenüber den Landsleuten im Norden (und umgekehrt). Die Hinweise der Menschen in Sumatra, dass ihre Insel im Vergleich zu Java, die weitaus bessere ist. Auf der neuseeländischen Südinsel wird man gefragt, wozu man eigentlich auf die Nordinsel fährt. Nach dem Motto: „Da gibt es nichts zu sehen. Wer dort hinfährt, begeht einen Fehler.“ Noch schlimmer ist die Reaktion wenn man einem Neuseeländer erzählt, dass man vor hat nach Australien zu reisen. Schweigen, ein kritisches Grummeln oder gar die offene und schonungslose Bemerkung: „I lived there for ten years and it’s bloody shit man.“

Der kleine Nachbar Neuseeland mag die Aussies von nebenan nämlich überhaupt nicht. Obwohl Australien zig mal größer ist, als das Kiwi-Land wird es von den Bewohnern der neuseeländischen Nord- und Südinsel gerne als die Westinsel bezeichnet. Für die Australier gibt es außerdem die wenig charmante Bezeichnung: Pohme oder auch Pommy für „Prisoner of Her Majesty’s Exile“ – was auf die Einwanderung von Straffälligen anspielt.

Stellt man als ahnungsloser Reisender irgendeine Verbindung zwischen den beiden Ländern her oder betont die Abhängigkeit des kleinen Landes von dem großen Nachbar, kann man die sonst so herzlichen Kiwis zutiefst beleidigen. Kein Wunder dass die Rugby-Spiele zwischen den beiden Ländern zu einer Frage des Nationalstolzes werden. Evtl. vergleichbar mit den Fußballspielen der DFB-Elf gegen Holland.

Liegt es vielleicht in unserem Naturell, dass wir unserer Gebiet verteidigen? So nach dem Motto: Mein Haus, mein Garten, mein Dorf, meine Insel, mein Land? In fremden Ländern ist es zunächst schwierig herauszufinden, wogegen sich die jeweilige Nachbarschafts-Fehde richtet und man tritt schneller in ein Fettnäpfchen als man denkt: Man will höflich sein und die Landesteile loben, die man bereits bereist hat, und schon ist der Gesprächspartner beleidigt.

Es ist also kein Fehler, sich vorher zu informieren, wie harmonisch das Zusammenleben verschiedener Gruppen in einem Land ist und wie es um den Stolz der Einwohner bestellt ist. Viele der Abneigungen sind ganz klar historisch begingt, wie zum Beispiel in Vietnam. Das „Insel-Denken“ ist geografisch zu erklären, die Religion ist ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor. Und auch die wirtschaftliche Stärke spielt nach unserer Beobachtung eine Rolle. Hat ein Land einen mächtigen, großen Nachbar lehnt es sich eventuell allein aus dem Grund gegen ihn auf. Um nicht unterzugehen.

Und: Häufig macht es aber auch einfach nur Spaß über die Nachbarn zu lästern und Witze auf deren Kosten zu machen. Das kennt man ja vom Blick über den heimischen Gartenzaun.

Foto: Christoph Lempertz

Das interkulturelle Reisetagebuch ist ein Blog von change.project und crossculture academy.

§ 2 Responses to Die lieben Nachbarn"

  • Super-coole Zusammenfassung! Ich hab mich bei den Kiwis, direkt an einige Gespraeche von mir in NZ erinnert 😉 Ist also keine Einzelerfahrung!

    Aber selbst in manchen Laendern gibt es Grenzen! Ward ihr in Malaysia? Die kulturelle Grenze zwischen Malayen, Chinesen und Indern ist unbestreitbar. Und dennoch sind die Menschen meistens ziemlich offen: Das One-Malaysia Konzept

    • Ja wir waren in Malaysia, allerdings nur für einen sehr kurzen Zwischenstopp in Pulau Penang. Trotzdem fanden wir dort den „Kultur-Mix“ sehr spannend. Vor allem das indische Viertel. Werden gleich mal unter dem Link nachlesen. Viele Grüße von der Coromandel Peninsula! Simone und Chris

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